Kaum zu glauben:Berlin umsonst und freundlich!
Ich bin mental außerstande sieben Tage in der Woche den widerständigen Rollstuhlfahrer zu geben. Meine Wut über vieles ist grenzenlos. Sie reicht aber nicht, mir das Leben zu versauen. Nach dem schockierenden Besuch der Demo “Marsch für das Leben” war mir dringend nach Entspannung und Ablenkung.
Das Wetter war prächtig.
Ich fuhr in den Botanischen Garten und schaute mir das neu eröffnete Tropenhaus an. Am Eingang ein freundlicher junger Mann, der nur bestätigt haben wollte, dass ich eine Behindertenausweis habe und mir ansonsten viel Spaß wünschte. Anderntags hätte ich mich sicher über positive Diskriminierung beschwert. Heute war mir nicht danach.
An der Automatiktür zum neuen Tropenhaus stolperte mir Reinhard Bütikofer, Ex-Bundesgeschäftsführer der Grünen, fast auf den Schoß. Einen Tag vor der Bundestagswahl hieß sein Motto wohl: Besinnung und back to the roots.” Es folgten zwei Stunden Ruhe im Tropenklima in einer unglaublichen Pflanzenpracht. Der Stress, des Alltags fiel ab. Erstmals seit drei Wochen wirkliche Entspannung. Fester Entschluss: Ich mach das öfter!
Auf dem Weg zum Auto, erhielt ich eine SMS. Einladung ins Konzerthaus am gleichen Abend: Brahms, Schumann.
Am Konzerthaus empfing mich meine Begleitung am Künstlereingang und begleitete mich durch die Kellergewölbe zum Lift. Es folgte ein furioses Konzert des Konzerthausorchesters unter Leitung von Lothar Zagrosek. Eine Karte wollte niemand sehen. Stattdessen wurden in der Pause Wein und Brezeln gereicht.
Unnötig zu erwähnen, dass ein Mehrfaches der gesparten Eintrittsgelder anschließend bei Lutter&Wegner verprasst wurde.
Auf dem Kollwitzplatz nachts um halb eins….
Gestern Nacht, Ecke Sretzkistraße/Kollwitzstraße. Ich fahre auf der Straße, weil die Bürgersteige in schlechtem Zustand sind und eine Unfallgefahr darstellen. Zugegeben, ohne Licht. Auf mich kommt ein S-Klassen Mercedes zu. Er weicht nicht aus, ich auch nicht. Der wird schon halten, denke ich. Das tut er dann auch. Ein Mann zeigt aus, ich erkenne kaum Kontraste: ein Schwarzer. Ein Hüne von Mann baut sich wütend vor mir auf und ruft aufgeregt in akzentfreiem Deutsch: “ Was glauben sie denn, man sieht sie nicht im Dunkeln.” Ich bleibe ruhig und sage nur: “Was regen Sie sich so auf, das haben wir doch gemeinsam.” Wütend kehrt er zu seinem Auto zurück, legt den Rückwärtsgang ein und braust davon.
Tram trouble
Gestern 22.15 Uhr am Alex. Ich will in die Linie 6 Richtung Steinberg steigen. Vor dem Eingang steht eine blonde Mitfünfzigerin in Uniform, offenbar die Fahrerin der Straßenbahn. Ich komme gerade von einem 30 Kilometer Marathon Training vom Mauerweg, bin einigermaßen erschöpft und verschwitzt.
Ich bitte die Frau mich kurz über Eingangsstufe zu schieben. Barsch antwortet sie, das dürfe sie nicht. Die die Rampe sei auch defekt. Ich soll die nächste Bahn nehmen.
Ich schaffe es, mich die an sich kleine Stufe hochzuziehen und postiere mich an der Tür gegenüber dem Eingang. Die Fahrerin steigt ein, baut sich vor mich auf und keift: „Der Rollstuhl gehört auf die andere Seite fahren Sie darüber, sonst fahre ich nicht los.“ Ich bin empört über den Ton und will wissen, warum ich mich in die Eingangstür stellen soll. Sie sagt nichts, dann nur knapp. „fahren Sie rüber.“ Passanten gucken verständnislos. Ich rolle wortlos hinüber. Die Bahn fährt los. Ich kann mich nicht festhalten, werde in den Kurven gefährlich hin und her geschleudert. Ich fahre schließlich auf die andere Seite zurück und stehe vor der Tür zum Fahrerstand. Die Frau hält die Bahn auf freier Strecke an, reißt die Tür ihres Fahrerstandes auf, die gegen meinen Rollstuhl kracht und ruft, den Kopf aus der Tür steckend,
„Fahren sie auf ihren Platz, sonst fahre ich nicht weiter. Ich hole mir einen Zeugen, dass sie sich weigern, meinen Anweisungen folge zu leisten und lasse sie aus der Bahn entfernen.“
Lange Sekunden gucke ich die Frau entgeistert an. Sie blickt starr zurück. Die Umstehenden schweigen. Stillstand. Ich überlege, ob ich eine Eskalation will. Schließlich fahre ich schimpfend, wieder auf den angeblich für den Rollstuhl bestimmten Platz. Sie setzt die Fahrt fort.
Krüppel kochen- eine Polemik
Es ist doch klar: Behinderung ist nicht abendfüllend!
Entweder jemand ist witzig, spannend, unterhaltsam und klug, oder es ist langweilig!
Ob der Mensch im Rollstuhl sitzt, oder der Arm ab ist, hat mich noch nie länger als zehn Minuten interessiert.-
Zahllose Kochsendungen behelligen den Zuschauer des Deutschen Fernsehens tagaus tagein mit mehr oder weniger nachahmungsfähigen Rezepturen.
Nun wabert eine merkwürdige Melange aus einer Münchner TV-Kantine. Ein Kochformat mit Behinderten.
“Dinner for everyone” hat es sogar schon promotionfördernd in eine Hamburger Talkshow geschafft.
Volker Westermann, Redakteur und Moderator, lädt einen behinderten und einen nichtbehinderten Gast zum gemeinsamen Kochen ein. Im Vordergrund steht allerdings nicht Kulinarisches, sondern das bemühte Gespräch rund um das Thema Behinderung.
Die Gästeliste: die Sozialpädagogen-Fraktion unter den B-Promis. Gildo Horn, Bettina Tietjen und zuletzt der Altmeister der medialen Altenpflege, Alfred Biolek.
Westermann manscht im Nußeckenteig. Horn, die Mutter bei der Lebenshilfe, betulich: “Darf ich mal was fragen.”
Statt schrill und frech zu unterhalten, kopiert das Format die Unsitten des zum Glück untergegangenen Aufklärungsfernsehens und wirkt sehr daneben , wenn die contergangeschädigte Dressurreiterin Bianca Vogel erzählt, wie sie zu Hause so kocht. Nämlich kaum. Die “Mutter wohnt nebenan”.
Sie schneidet die Kartoffeln und nimmt, mangels Arm, den Kopf zur Hilfe, eine gewagte Großaufnahme. Immerhin!
Doch wo ist die Spannung, wo der Witz von Bildern, die das besondere zeigen, aber im Dialog dauernd behaupten, es sei selbstverständlich.
Man kann Behinderung nicht schön zeigen, sagt eine Moderatoren aus dem Ansager-Pool der Münchner Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien e.V., die das Stück produziert. Sie führt das als Grund an, warum sowenig Behinderte auf dem Schirm zu sehen sind. Das mag sein. Aber was soll die arme Bettina Tietjen wohl auf die Frage antworten, ob sie sich vorstellen könne, mit einem behinderten Moderator zu arbeiten? Etwa: Nein! ?
So ersäuft die Sendung in einer sämigen Soße aus Gutmenschentum.
“Menschen mit Behinderung” wie die Protagonisten Ihresgleichen weichspülend nennen, unter sich! Die Kochplatte als Katalysator der Integration. Sie bleibt kalt.
Wenn ich eine Kochsendung einschalte, will ich kreatives Kochen sehen und nicht Fingerfood von Armlosen
Das Beste an dieser faden Veranstaltung ist der Trailer. Volker Westermann ist ein schelmischer, witziger Typ, der sein Potential überhaupt nicht ausspielt. Es ist ihm ein Autor zu wünschen, der ihm eine schwarze comedy auf seinen Leib schreibt.
“Gut gemeint ist das Gegenteil von gut“, sagt Westermann an einer Stelle. Recht hat er. Mehr Pfeffer bitte, viel mehr!
Sendung: Deutsches Sportfernsehen (DSF) zweimonatlich oder http://www.youtube.com/watch?v=a6r6qtTgw8w
Mordfall Besuch:Deutsche Staatsanwaltschaft nicht zuständig
Die Staatsanwaltschaft beim Münchner Landgericht wird im Entführungs-und Mordfall Rainer Besuch kein Ermittlungsverfahren eröffnen.
Wie der Pressesprecher der Staatsanwälte, Anton E. Winkler, heute auf auf meine Anfrage mitteilte, schließe der Tatort Sardinien und die mutmaßliche Täterschaft von Italienern eine deutsche Zuständigkeit eindeutig aus.
“Die Zeiten”, nein, sie sind nicht vorbei !

...gesehen in Berlin-Frohnau
In Lübbenow, in der Uckermark, haben Eltern ein behindertes Kind neun Jahre im Haus behalten und vor der Öffentlichkeit versteckt. Das allein wäre grausam genug. Hinzu kommt, dass die Situation im Elternaus des inzwischen dreizehnjährigen Mädchen dem Jugendamt seit vier Jahren bekannt war. Weiterlesen »
“Ganz diffuse Ängste…”- Christina Falchi, Tochter von Rainer Besuch
Du warst vier Jahre alt, als Dein Vater entführt wurde. Es gibt Bilder, auf denen sieht man Dich mit deinem Vater, erinnerst Du dich daran?
Ich habe dieses Bild gesehen, wo ich an seiner Hand laufe und habe ich gedacht: „Warum erinnere ich mich nicht an diesen Moment?“ Ich war schon ein richtig großes Mädchen und bin alleine da gelaufen.
Ich habe immer diesen Punkt gesehen zwischen meiner Hand und seiner Hand, aber keine Erinnerung.
Ein ganz komisches Gefühl.
Es könnte auch sein, dass ich alles verdrängt habe, irgendwelche Selbstschutzmechanismen haben mich das vergessen lassen.
Ich erinnere mich an einen Moment, wo ich mit meiner Mutter diesen Weg zu unserer Villa runter gelaufen bin und irgendwie gemerkt habe, meine Mutter hat Angst.
Das war bedrohlich?
Ja. Diese Bedrohung die war mit Sicherheit da. Ich erinnere mich schon an so was wie Stimmungen oder Reaktion von meiner Oma oder meiner Mutter.
Wie hat es dich beeinflusst, dass dein Vater Opfer eines Verbrechens wurde?
Ich habe ganz diffuse Ängste vor Gewalt oder z.B. vor Polizisten, vor Waffen.
Immer, wenn ich damit in Berührung komme oder Leute treffe, die mich aus der Zeit daran erinnern. Da kommt irgendwas hoch. Dann bin ich in komischen Zuständen, also das kommt aus meinem Unterbewusstsein raus. Das kann ich in dem Moment nicht auffangen. Mittlerweile kann ich das einordnen und das relativ schnell. Aber am Anfang war das wirklich erschreckend und ich dachte, wenn ich mal mein Kind habe, das soll mir auf keinen Fall passieren. Und ich will was dagegen tun demnächst.
Hast Du von deinem Vater geträumt?
In der Pubertät habe ich ständig von ihm geträumt. Ich wache auf und er liegt neben mir, wie in einem Horrorfilm und dann auf einmal setzt er sich hoch auf. Also als eine Leiche… Das habe ich ganz oft geträumt – und natürlich, dass ich ihn treffe, das ist ein klassischer Traum, wahrscheinlich auch bei Leuten, die verschollen sind. Also, im Nachhinein merke ich halt, dass er schon viele Phasen meines Lebens beeinflusst hat.
Hattest du mal Aggressionen gegen ihn?
Also ich war schon als Kind oder Jugendliche oft sauer, dass er uns verlassen hat. Er hat nur Ärger und Aufregung verursacht.
Was würdest du ihm sagen, wenn Du vor ihm säßest?
Irgendwie gibt es die Möglichkeit ja, dass er lebt. Die meisten sagen natürlich, das ist völliger Quatsch. Aber solange niemand Nichts gefunden hat, gibt es die Möglichkeit irgendwie. Ich kann alles nicht beurteilen, wie das gelaufen ist. Ich habe überlegt, wenn er echt kommen würde und man rausfindet, dass er alles inszeniert hat…
Im Moment sieht es aus wie ein Heldentod und das wäre ja völlig umgedreht und dann würde ich ihn, glaube ich, nehmen und sagen: jetzt bring mal das alles in Ordnung und dann wieder ab ins Flugzeug. Geh hin, woher du gekommen bist. Ich weiß es nicht, aber er hat uns hier wirklich so ein richtige „Haufen Mist“ hinterlassen.
Hast Du Zwiesprache mit ihm gehalten?
Sicher. Das kann man gar nicht alles erzählen, das waren richtige Dialoge. Während der Schwangerschaft habe ich ganz viel mit ihm kommuniziert. Er hat mir meine Oma näher gebracht und wollte, dass wir uns vertragen, weil ich der Meinung bin, sie hätte mehr machen können.
100 Besucher in drei Stunden- Was wollt ihr lesen?
Die Kollegen von kobinet (www.kobinet.de) haben einen Hinweis auf meinen Blog veröffentlicht. Kaum ist die Meldung raus, explodiert die Besucherstatistik. Was interessiert den Leser? Der verhinderte Klogang vom Freitag, oder der Entführungsfall Rainer Besuch? Laut Statistik zum Glück beides. Ich habe in den letzten Tagen den Blog bei Blogverzeichnissen abgelegt und geriet stets aufs Neue in Verlegenheit, weil ich nicht wusste, in welche Kategorie ich mich eintragen soll. Was schreibe ich hier? Tagebuch, Arbeitsjournal? Krasse persönliche Erlebnisse? Alles das: und all das ist Alltag, wozu brauche ich eine Kategorie? Das Private ist politisch und das Politische privat!
Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten des Netzes. Jeder kann ohne redaktionellen Filter auf kurzem Weg, seine Gedanken und Erlebnisse ins Netz stellen, sich mitteilen oder nach passenden Kontakten suchen. Seit 4 Wochen habe ich ein Profil bei XING. Ich habe inzwischen etliche alte Bekannte wieder getroffen und spannenden neue Kontakte geknüpft, sowohl für die Arbeit, als auch privat.-
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