Jürgen Hobrecht Logbuch

Kein Flug nach LA

Mein Freund Mustafa aus Jenin, Palästina,   hat ein Stipendium an der University of Cal. in Los Angeles bekommen. Die Nachricht elektrisiert mich. Wir haben uns vor zwei Jahren in Herdecke kennengelernt, wo er einen Forschungsauftrag an der Uni Witten-Herdecke hatte.

Seither haben wir nur gemailt und über skype Kontakt gehabt. Zeit, sich mal wieder zu sehen.
Nach Palästina zu reisen, ist es umständlicher, als nach Los Angeles. Im Nahen Osten gibt es keine Auto für Rollstuhlfahrer, Also bin ich auf Taxen angewiesen. Der Flug dorthin geht über Amman. Das bedeutet zweimal umsteigen. Auch kompliziert. Ich bin deshalb immer mit dem Auto in den Nahen Osten gefahren. Aber seit 2001 gibt es keine Schiffsverbindung mehr, ab Piräus. Also: 1 Woche im Auto. Soviel Zeit hatte ich in den letzten Jahren nicht.

Nach LA hingegen gibt es non stop Flüge und in den USA kann ich mir die behindertengerechte Zusatzausrüstung sogar aussuchen. „Handcontroll left, or right?“ ist die routinierte Frage des Autovermieters. Die Flüge sind günstig, ab 460€ kommt man hin und zurück. Da ich beim Internetbuchen  nicht eingeben kann, dass ich Rollstuhlfahrer bin, fahre ich nach Tegel, um meinen Reiseplan voranzutreiben. 

„Können Sie laufen“?

Erste Station ist der Air France Schalter. Ein distanzierter Mensch in den Fünfzigern sucht mir gar nicht erst den gewünschten Flug raus, sondern informiert mich, dass ich eine Flugtauglichkeitsbescheinigung vom Arzt benötige. Dann insistiert er:“Können Sie laufen?“ Ich sage, dass ihn das nichts angeht und frage, wozu er das wissen will. Er sagt, „wegen der Toilette“. Ich sage, dass ich nicht laufen kann. Er dreht sich um und fragt eine hinter ihm sitzende Frau, so laut, dass es alle Umstehenden hören:“Der Mann kann gar nicht laufen. Wie kommt er dann zur Toilette?“ „Gar nicht,“ wird er von der Frau beschieden.  Umstehende gucken mich wortlos an. Als der Mann schließlich sagt, ich benötige eine Begleitperson, sonst würde man mich nicht mitnehmen, bekomme ich einen Wutanfall, kündige an, mich zu beschweren und lasse ihn stehen.

Ein paar Meter weiter am Air Berlin Stand gibt es einen Flug von Düsseldorf nach LA, Abflug Dienstag, 7.5. um 13.00, Ankunft, LA Ortszeit 15.50. Also zwölf Stunden Flugzeit-Kosten, abzüglich Journalistenrabatt: 420€. Konkurrenzlos günstig! Ich sehe mich schon im Flieger nach Kalifornien. „Komme ich an Bord auf Klo, der Flug dauert 12 Stunden,?“ Die freundliche Frau weiß es nicht, will sich aber erkundigen.


„Nur in Windeln?“

Der Anruf bei der Zentrale ergibt: kein Problem!. Ich fahre nach Hause, will  erst ein Auto buchen und ein Hotel, ehe ich den Flug bestätige. Ich gehe nochmal ins Netz und finde den Kieler Kay Macquarrie, der die Seite
 http://www.rechtaufklo.de/ betreibt. Er ist selbst Rollstuhlfahrer und beschwert sich seit Jahren über die Situation für Rollifahrer beim Fliegen. Er bestätigt, dass es auf Langstrecken einen Bordrollstuhl und eine entsprechende Toilette gibt. Ich bin beruhigt und reserviere anschließend problemlos PKW und Hotel.

 Am nächsten Morgen rufe ich die Presseabteilung von Air Berlin an, um meinen Flug zu buchen. Ich bitte die ebenfalls betont freundliche Dame dort, mir das Vorhandensein eines Bordrollstuhl und einer Toilette schriftlich zu bestätigen. Ansonsten könne ich nicht buchen. Das versteht sie und verspricht, sich zu kümmern. Unterdessen rufe ich andere Rollifahrer an, um Erfahrungen zu hören. Die knappste Auskunft auf die Klofrage erhalte ich von einem komplett Gelähmten, der regelmäßig fliegt:“Nur in Windeln!“

Air Berlin-Adrenalin im Blut !

Air Berlin ruft an. Das Verhör beginnt von Neuem. „Können Sie laufen?“   „Also kann ich nun auf´s Klo oder nicht?“ frage ich wütend. „Wahrscheinlich nicht,“ sagt die Frau. „Denn, eh´, wenn Sie nicht laufen können…“ Immer noch scharf auf LA frage ich, ob Sie mir wenigstens den Nebensitz freihalten könne, so dass ich diskret einen Beutel wechseln kann. Das wäre leicht möglich, der Flieger ist nicht ausgebucht. Das verneint  sie strikt. „Das darf ich nicht. Ich kann Ihnen höchstens ein zweites Ticket verkaufen.“

Ich lege auf und starte einen letzten Versuch bei Delta. Die fliegen von Frankfurt direkt nach LA und gelten in den USA als behinderten-freundlich. Die völlig unerfahrene Frau im Call Center weiß nichts von Bordrollstühlen,  geschweige von Behindertenklos. Cool teilt sie mir mit, ich müsse erst mal buchen, damit sie meine Fragen klären könne.

Minuten später klingelt das Telefon. Das Call Center von British Airways. http://www.polis-film.com/BA.wav

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Juni 15, 2009 - Posted by | Mobilität | , , , ,

1 Kommentar »

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