Jürgen Hobrecht Logbuch

Liegendanfahrt- eine etwas umständliche Alkoholkontrolle

Am Freitag habe ich einen dreitägigen Untersuchungsmarathon im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke absolviert. Eigentlich fit, nur zu dick- so kann man das Ergebnis zusammenfassen. Grund genug, den Kurztrip ins Westfälische zu feiern und eine tolle Premiere hinzulegen.  Seit 34 Jahren im Besitz eines Führerscheins, musste ich zum ersten Mal ins Röhrchen blasen.- Unter Umständen, die des Bloggens allemal würdig sind.
Ich lud eine  Krankenschwester zum Essen ein. Es war wie im richtigen Leben. Eine Flasche Weißwein folgte der nächsten. Natürlich fuhr ich die Dame am Ende des Abends  nach Hause, um mich dann auf den Weg in die Klinik zu machen. 
Es war wohl gegen 5 Uhr morgens, als ich die bergige Bundestraße hochfuhr, die zur Klinik führte, froh dass niemand auf der Straße war. Doch nach der nächsten Kurve, der Blick auf das unvermeidliche Ereignis. Polizeikontrolle. Schnell das Fenster runter und hektisch ein-und ausatmen!  Mist, kein Bonbon griffbereit.
“ Guten Morgen, die Papiere bitte. Haben Sie getrunken?“
„ Ja zwei Glas.“
„ Steigen Sie bitte aus.“
„ Schwierig, würden Sie meinen Rollstuhl vom Hintersitz holen?“
Erste Verunsicherung. Ich kann sitzen bleiben und puste schwächelnd ins Röhrchen, hechele , Felix Krullmäßig simulierend,  immer wieder nach Luft, um in das Röhrchen zu pusten. Es nützt nichts. Am Ende steht das Ergebnis fest: 0,55 Promille. Es soll eine Blutprobe gemacht werden. Ich muss mit zur Wache, darf aber nicht fahren. Die Polizei ist mit einem VW-Bully vor Ort. Ich behaupte, da komme ich nie hinein, das ist zu hoch.  Die beiden Polizisten beraten lange.
Ich weiß, dass der Körper pro Stunde im Schnitt 0,1Promille  abbaut und schicke ein Stoßgebet zum Himmel.
Die Polizei beschließt, dass sie entscheidungsunfähig ist und holt erst mal Verstärkung. Nach 10 Minuten kommt ein zweiter Streifenwagen.
 Täterbefragung:
“ Sie können überhaupt nicht laufen?“
 „Nee“.
„Und was ist, wenn wir sie herübertragen?“
„Und was ist, wenn ich mir dabei die Knochen breche, dass passiert leicht bei meiner Behinderung.“
 Das Argument zieht. Fünf Beamten versammeln sich  außer Hörweite. Inzwischen sind gut 20 Minuten vergangen.
 Stoßgebet No 2.
Schließlich das Beratungsergebnis: Wir holen einen Krankenwagen und lassen Sie liegend zur Wache bringen.

Nach 20 Minuten kommt ein rotes Monstrum angedüst. Zwei Sanis fahren die Trage aus der Hecklappe, reißen meine Fahrertür auf und wuchten mich kurzerhand auf die Trage, schnallen mich an.
Wie ein Schwerverletzter werde ich in den Wagen verladen. Kalte Morgenluft umfängt mich. Blicke von 7 Uniformierten haften auf mir, die sich selbst gerade zu fragen scheinen, was sie da tun.
Fahrt zur Wache. Vor dem Haus sind auch Stufen, also bekommen die Sanis Order mich mit der Trage ins Gebäude zu bringen. Schwierig, denn der Wittener Altbau ist völlig verwinkelt. Schließlich bin im Parterre und werde in meinen Rollstuhl gesetzt. Ich atme erstmal durch und hoffe damit insgeheim auch meinen Restalkohol losgeworden zu sein. 
Vor mir steht genervt ein Polizeibeamter.
Wir brauchen eine Referenzkontrolle mit einem geeichten Gerät, meint er.  Sie müssen nochmal pusten. Das Ergebnis der Straßenkontrolle ist nicht gerichtsfest.
Nur, das Referenzgerät steht im dritten Stock und wir haben keinen Aufzug.
Prima, denke ich. Ich habe Zeit.
Inzwischen sind gut 45 Minuten vergangen. Ein  herbeigeeilter Vorgesetzter entscheidet, das Gerät im Flur des Erdgeschosses aufbauen zu lassen.
Die letzten Minuten waren aufregend. Ich  hatte viel getrunken. Also frage ich freundlich nach einem Behindertenklo.  In diesem Moment habe ich den Eindruck, dass der Diensthabende seinen Eifer verflucht und sich wünscht, er hätte  mich lieber betrunken fahren  lassen. 
Er beordert zwei Kollegen, die mich stöhnend sechs Stufen heruntertragen. Die Tür zum Pissoir ist breit genug. Ich verschwinde für einige Minuten. Als ich wieder oben bin, ist das Referenzgerät  installiert, der Arzt, der Blut abnehmen soll, ist auch eingetroffen.
Es beginnt der letzte Akt. Mit einem denkbar  knappen Ergebnis.: 0.51 Promille .
 Bedingt fahruntüchtig. Shit happens.

August 2, 2009 - Posted by | Alltag | , , , , ,

2 Kommentare »

  1. Das war ja sicher währenddessen nicht so lustig. Aber tolle Geschichte, so den Krull machend. 🙂

    Kommentar von not quite like beethoven | August 2, 2009 | Antworten

    • Hallo, genau, währenddessen nicht witzig. Heute nur zum Lachen. Ganz lieben Dank für Deine Empfehlung, gestern.
      Gruß jhobrecht

      Kommentar von Juergen Hobrecht | August 2, 2009 | Antworten


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