Jürgen Hobrecht Logbuch

Im barrierefreien Puff – Gastbeitrag von Matthias Vernaldi

Vernaldi, 50, studierter Theologe, gelernter DDR-Bürger, Aktivist der Behindertenbewegung, ist Mitbegründer des Berliner Netzwerkes Sexybilities.      

 Ich habe mit dem  Blogger  Hobrecht einiges gemeinsam: Wir gehören einer Generation an, sitzen beide im Rollstuhl, essen gern und wissen gute Weine zu schätzen. In einem aber unterscheiden wir uns deutlich. Jürgen würde nie für Sex Geld bezahlen. Ich hingegen tue das, wann immer mir mein schmales Budget es erlaubt – also viel zu selten. Ohne dem hätte ich als schwerbehinderter älterer Herr so gut wie gar keine Chancen, Lust zu erleben.
LB Matthias 018Als behinderter Nutzer sexueller Dienste bin ich natürlich an Barrierefreiheit interessiert. Vor drei Jahren redete ich an einem Abend beim Bundesverband sexuelle Dienstleistungen (BSD e.V. ) über behinderte Freier. Abschließend ließ ich die versammelten Bordellbetreiber an meiner Utopie vom Puff teilhaben, der nicht nur stufenlos zu erreichen ist, sondern auch einen Wannenlifter für den Whirlpool hat.
Unter den Zuhörern saß Maxi, die Betreiberin  des Liberty.
Im letzten Herbst war ich  überrascht, eine Mail von ihr vorzufinden. Sie lud mich ein, mir die untere Etage ihres Etablissements anzusehen, die sie neu dazu gemietet und ausgebaut hatte.

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August 21, 2009 Posted by | Alltag | , , , , , , , , , | 4 Kommentare

Blogwart ist ein Ehrenamt

Es gibt hier Lücken im Logbuch von manchmal fünf, sechs Tagen. Das heißt nicht, dass mir nichts einfällt, im Gegenteil. Nur, mir fehlt die Zeit, täglich Beiträge mit der nötigen Sorgfalt zu verfassen. Bisweilen bin ich auch auf Reisen und abends im Hotel noch bloggen: Och nee, da ist der Absacker an der Bar mir  doch näher. So wird es sich  künftig  auf ein, zwei Blogtage in der Woche einpendeln. Darüber hinaus bieten mir inzwischen Freunde und Kollegen Gastbeiträge an, die ich nach vorheriger Absprache gern veröffentliche.     

August 21, 2009 Posted by | Netzwerk | , , | Hinterlasse einen Kommentar

Tram trouble

Gestern 22.15 Uhr am Alex. Ich will in die Linie  6  Richtung Steinberg steigen. Vor dem Eingang steht eine blonde Mitfünfzigerin in Uniform, offenbar die Fahrerin der Straßenbahn. Ich komme gerade von einem 30 Kilometer Marathon Training vom Mauerweg, bin einigermaßen erschöpft und verschwitzt.
Ich bitte die Frau  mich kurz  über Eingangsstufe   zu schieben. Barsch antwortet sie, das dürfe sie nicht. Die die Rampe sei auch defekt. Ich soll die nächste Bahn nehmen.  

Ich schaffe es, mich die an sich kleine Stufe hochzuziehen und postiere mich an der Tür gegenüber dem Eingang. Die Fahrerin steigt ein, baut sich vor mich auf und keift: „Der Rollstuhl gehört auf die andere Seite fahren Sie darüber, sonst fahre ich nicht los.“ Ich bin empört über den Ton und will wissen, warum ich mich in die Eingangstür stellen soll. Sie sagt nichts, dann nur knapp. „fahren Sie rüber.“ Passanten gucken verständnislos. Ich rolle wortlos hinüber. Die Bahn fährt los. Ich kann mich nicht festhalten, werde in den Kurven gefährlich hin und her geschleudert. Ich fahre schließlich auf die andere Seite zurück und stehe vor der Tür zum Fahrerstand. Die Frau hält die Bahn auf freier Strecke an, reißt die Tür ihres Fahrerstandes auf, die gegen meinen  Rollstuhl kracht und ruft, den Kopf aus der Tür steckend,
„Fahren sie auf ihren Platz, sonst fahre ich nicht weiter. Ich hole mir einen Zeugen, dass sie sich weigern, meinen Anweisungen folge zu leisten und lasse sie aus der Bahn entfernen.“
Lange Sekunden gucke ich die Frau entgeistert an. Sie blickt starr zurück. Die Umstehenden schweigen. Stillstand. Ich überlege, ob ich eine Eskalation will. Schließlich fahre ich schimpfend, wieder auf den angeblich für den Rollstuhl bestimmten Platz. Sie setzt die Fahrt fort.

August 21, 2009 Posted by | Uncategorized, Verhinderungen | , , , , | 1 Kommentar