Jürgen Hobrecht Logbuch

Mit dem Handbike auf dem Mauerweg

Seit neun Jahren wohne ich am Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg.  Ein quirliges Viertel, allerdings mit einem deutlichen Überhang an Kinderwagen und Kneipen. Letztere führen dazu, das die Kondition leidet. Die Bewegungsmöglichkeiten  für Rollstuhlfahrer sind zudem eingeschränkt. Viele Bürgersteige sind seit den 50er Jahren nicht mehr repariert worden und machen eine Spazierfahrt zum Stresstrip.
Ich bin dringend auf regelmäßige  Bewegung angewiesen, wenn ich mich nicht völlig blamieren oder auf der Bahn einen Kreislaufkollaps kriegen will. Einmal Jahr fahre ich den Berlin-Marathon mit meinem Handbike. Ich brauche zweimal  in der Woche ein regelmäßiges Training auf einer geraden Strecke, auf der bis zu 30km/h erreicht werden kann, ohne Fußgänger zu gefährden.  Das bedeutete  bisher: Handbike ins Auto packen, zum Kronprinzessinnenweg nach Zehlendorf. Handbike auspacken, 2 Stunden fahren. Einschließlich Rückfahrt, eine Veranstaltung von vier Stunden Dauer.   
Kürzlich mit meiner Nachbarin im Aufzug. Ich klage mal wieder über die eingeschränkte Mobilität. Mein Gegenüber schaut mich verständnislos an: „…und was ist mit dem Mauerweg?“ „Mauer…was?“  “ Der Mauerweg!! Fängt 500 m von hier am Mauerpark an und führt 160 Kilometer asphaltiert geradeaus.“    Recht hatte sie und ich hätte auch selbst darauf  kommen können…
Das Gespräch ist zwei Wochen her. Gestern bin  ich die letzte Etappe von Hennigsdorf nach Staaken gefahren. Ein reiner Erlebnistripp durch einen grünen Gürtel rund um Berlin. Alle paar Hundert Meter muss man innehalten, um sich zu vergegenwärtigen, dass hier früher die Mauer stand und Menschen starben. Allein auf der Bernauer Straße, die quasi vor meiner Haustür liegt, starben  zwischen dem 22. und 30. August 1961 drei Menschen beim Sprung  aus dem Fenster.
Die erste Tour rund  dem Mauerweg bin ich mit Pulsuhr gefahren, um meinen Trainingsrückstand aufzuholen.  Beim nächsten Mal werde ich langsamer fahren und Zeit haben für Menschen auf dem Mauerweg.

August 31, 2009 Posted by | Mobilität | , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

„Nie für möglich gehalten“-Besuch bei Marianne Buggenhagen

Marianne Buggenhagen, Jürgen Hobrecht im Bernauer Garten Sieben Goldmedaillen bei Olympischen Spielen, elf Weltmeistertitel, rund 170 nationale Titel. 1994 Sportlerin des Jahres. Das sind die Meilensteine der Sportlerinnenkarriere von  Marianne Buggenhagen.
Sie war als Gast angekündigt  bei  der Talkreihe von Wolfgang Thierse,  „Thierse trifft…“  in der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg . Ich las die Stichworte : „DDR, Sportlerin“, ergänzte:“Doping“- und hatte keine Lust mehr.  Ich weiß nicht mehr,  was den Ausschlag gab. Aber trotz des schönen Wetters,  saß ich irgendwann im Saal und hörte zu.
Die Buggenhagen überraschte mich. Sie  nahm kein Blatt vor den Mund: „Die Tatsache, dass ich im Rollstuhl  sitze, ist nebensächlich. Was mich wirklich einschränkt, ist die Inkontinenz.“  Wer öffentlich solche Sätze sagt, den will ich kennenlernen!
Nach der Veranstaltung sprach ich die unkomplizierte Frau an und bekam prompt einen Termin in ihrem Bernauer Einfamilienhaus. Das Gespräch mit Marianne Buggenhagen folgt  in Kürze an dieser Stelle.

August 31, 2009 Posted by | Biografie, Interview | , , , , | 1 Kommentar