Jürgen Hobrecht Logbuch

Kaum zu glauben:Berlin umsonst und freundlich!

 Ich bin mental außerstande sieben Tage in der Woche den widerständigen Rollstuhlfahrer zu geben. Meine Wut über vieles ist grenzenlos. Sie reicht aber nicht, mir das Leben zu versauen. Nach dem schockierenden Besuch der Demo „Marsch für das Leben“ war mir dringend nach Entspannung und Ablenkung.
Das Wetter war prächtig.
Ich fuhr in den Botanischen Garten und schaute mir das neu eröffnete Tropenhaus an. Am Eingang ein freundlicher junger Mann, der nur bestätigt haben wollte, dass ich eine  Behindertenausweis habe und mir ansonsten viel Spaß wünschte.  Anderntags hätte ich mich sicher über positive Diskriminierung beschwert. Heute war mir nicht danach.
An der Automatiktür zum neuen Tropenhaus stolperte mir Reinhard Bütikofer, Ex-Bundesgeschäftsführer der Grünen,  fast auf den Schoß. Einen Tag vor der Bundestagswahl hieß sein Motto wohl: Besinnung und back to the roots.“  Es folgten zwei Stunden Ruhe im Tropenklima in einer unglaublichen Pflanzenpracht. Der Stress, des Alltags fiel ab. Erstmals seit drei Wochen wirkliche Entspannung. Fester Entschluss: Ich mach  das öfter!
Auf dem Weg zum Auto, erhielt ich eine SMS. Einladung ins Konzerthaus am gleichen Abend: Brahms, Schumann.
Am Konzerthaus empfing mich meine Begleitung am Künstlereingang und begleitete mich durch die Kellergewölbe zum Lift. Es folgte ein furioses Konzert des Konzerthausorchesters unter Leitung von Lothar  Zagrosek. Eine Karte wollte niemand sehen. Stattdessen wurden in der Pause Wein und Brezeln gereicht.  
Unnötig zu erwähnen, dass ein Mehrfaches der gesparten Eintrittsgelder anschließend bei Lutter&Wegner verprasst wurde.

September 27, 2009 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Nur Ausrutscher?-Übergriffe gegen „Marsch der 1000 Kreuze“

Meine Position zum Abbruch von Schwangerschaften ist eindeutig: Ich bin gegen einen Spätabbruch, wenn er dazu führt, behindertes Leben zu vernichten, ohne dass das Leben der Mutter zuvor in Gefahr gewesen wäre. Da es unredlich ist,  die  Tötung behinderter Babies  abzulehnen, gleichzeitig aber   die Abtreibung nichtbehinderter Embryos zu  tolerieren, bin ich wohl oder übel  ein Abtreibungsgegner. 
Aus Engagement für das Thema und aus Neugier ging ich gestern  Mittag zum Roten Rathaus und beobachtete den „Marsch für das Leben“, den Schweigemarsch von ca. 1.300 Menschen, der sich nach einer Kundgebung in  Richtung St. Hedwigskathedrale bewegte, wo ein Ökumenischer Gottesdienst gefeiert wurde.
Man mag über die Wirkung  der Symbolik von 1.000 Kreuzen streiten, die die Teilnehmer trugen, um an 1.000 Abtreibungen pro Tag zu erinnern.   Man mag darin eine unnötige Dramatisierung des Themas sehen.
Was  allerdings ein Bündnis von Gegendemonstranten, bestehend aus Linken, Feministen und sog. Antifaschisten   an „Argumenten“ aufzubieten hatte, war von so atemberaubender Geschmacklosigkeit und erschütternder Dummheit, dass mir jede Kritik an dem „Marsch der 1.000 Kreuze“ sofort  als kleinlich erschien. 
Da wurde von geschichtsvergessenen Abtreibungsbefürwortern ausgerechnet auf dem Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung von 1933, eine Bibel verbrannt. Es waren Plakate zu sehen, mit der Aufschrift  „Christen fisten“. Es flogen Eier aus den Reihen der Gegendemonstranten auf die als rechte Lebensschützer denunzierte Kundgebungs-teilnehmer. Insgesamt hat mich das geistige Niveau der Abtreibungsbefürworter an einen Artikel der Lübecker Politikerin der Linken, Asja Huberty erinnert, die   Föten mit Kaulquappen und Zellhafen verglich und sich vehement für fristenlose Abtreibung aussprach. Huberty hat ihre Wortwahl inzwischen bedauert.
Ihre Haltung zum Thema ändert sie  nicht. Die hinterher als verbalen Ausrutscher verharmlosten Äußerungen zeigen in ihrem Fall, wie in  Berlin, die wahre menschenverachtende Geisteshaltung.  

September 27, 2009 Posted by | Alltag, Verhinderungen | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar