Jürgen Hobrecht Logbuch

Zeitzeugen gesucht!- Filmprojekt „Behindertenmord in Brandenburg“

Der Mord an 9.722  Behinderten und Kranken in Brandenburg an der Havel zwischen 1940 und 1942 wird Thema  einer filmischen Dokumentation.  Im Januar 1940 begannen im umgebauten Zuchthaus in Brandenburg an der Havel die Vergasungen geistig und körperlich Behinderter. Im Rahmen der sog. T4 Aktion wurden bis 1942 Tausende von Menschen getötet – inmitten einer deutschen Kleinstadt.
70 Jahre nach den Ereignissen sollen die Geschehnisse in einer filmischen Dokumentation nachgezeichnet werden. In Kooperation mit der “Projektwerkstatt Robert Havemann“, die sich seit Jahren um eine Erinnerung an das Verbrechen bemüht, bereitet die  Polis Film eine filmische Dokumentation vor. Die Mordaktion ist wissenschaftlich gut aufgearbeitet. Es gibt viele Akten und Unterlagen, die Aufschluss geben. Um das Geschehen für den Zuschauer lebendig werden zu lassen, sind wir  auf Zeitzeugen angewiesen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es noch alte Menschen gibt, die sich erinnern.  Möglicherweise leben auch noch Angehörige von Mordopfern oder gar von Mitarbeitern der Landespflegeanstalt, die vor den Morden eine normale Behinderteneinrichtung war- und danach auch!  
Wer sich an die Vorgänge erinnert und Dokumente oder Fotos aufbewahrt, die mit dem Geschehen in Verbindung stehen, wird gebeten, sich bei den Initiatoren des Projektes zu melden. (hobrecht@polis-film.de) Informationen werden auf Wunsch selbstverständlich vertraulich behandelt. Besonders wichtig sind uns  Hinweise auf und Erinnerungen an den Brandenburger Vormundschaftsrichter Lothar Kreyssig und den Pfarrer Phillip Brauner. Beide haben gegen die Tötungen protestiert.

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Oktober 14, 2009 Posted by | Projekte | Hinterlasse einen Kommentar

„In 120 Tagen zum Film“-Medienfortbildung in München

Der Preissturz der Digital-Technik macht es möglich: Die Herstellung  von Film und Video auf technisch hohem Niveau zu moderaten Preisen. Die Marktplätze, die gerade das Internet für derartiges filmisches Schaffen bietet, sind gigantisch und längst nicht voll erschlossen.
Um Qualitätsstandards und handwerkliche Regeln zu gewährleisten, ist know how nötig. Die Phönix Medienakademie e.V. hat daher die Fortbildung zum Digital Media Producer (DMP) entwickelt. In neun Monaten wird ein Film hergestellt. Dabei werden  die Grundzüge des digitalen Filmschnitt (Avid), der Tonbearbeitung (pro tools) und der Bildbearbeitung mit After Effects und Photoshop gelehrt. Am Ende kopiert der Teilnehmer seinen Film auf eine DVD. Im Vordergrund der Fortbildung steht  Dramaturgie und Filmsprache, sowie Marketing. Da die Technik so billig geworden ist, dass jeder produzieren kann, sollten noch ein paar Menschen wissen, wie ein Film funktioniert und wie er sein Publikum findet.      
Die Journalistenakademie Dr. Hooffacker und Partner veranstaltet in Kooperation mit der Phoenix Medienakademie e.V. in München eine sechsmonatige Fortbildung „Medienproduktion digital“, in der das Konzept des DMP in leicht abgespeckter Weise angeboten wird. Der Einstieg ist jederzeit möglich, die Kostenübernahme durch die Arbeitsagentur ebenfalls

http://www.journalistenakademie.de/index.php?p=127

Oktober 9, 2009 Posted by | Fortbildung, Medien | Hinterlasse einen Kommentar

BVG lässt sich Zeit…

Auf meinen Offenen Brief an die Direktion der BVG, in dem ich mich über die diskrimminierende Behandlung durch die Busfahrer beklagte, kam heute eine erste Antwort. Die BVG teilt mit, sie prüfe die Vorwürfe und brauche Zeit. Na, ich bin gespannt.

Oktober 9, 2009 Posted by | Alltag | , | Hinterlasse einen Kommentar

„Die Pfaffen auf´s Schaffott“- Justizmord an Pfarrern wird verfilmt

Gestern ruft der Lübecker Alt-Bischof Karl-Ludwig Kohlwage an und verkündet gute Nahrichten. Die Katholische Kirche und die Possehl Stiftung in Lübeck finanzieren einen Film, der vor acht Jahren  am Desinteresse des NDR scheiterte.
Im Juni 2000 hatte ich in Lübeck Mitglieder einer Aktionsgruppe kennengelernt, die an die Hinrichtung von vier Lübecker Geistlichen im Jahre 1943  erinnerten.
Die vier Pfarrer, drei Katholiken und ein Protestant, hatten in Lübeck  gegen das Massensterben an der Ostfront protestiert und sympathisierten mit dem Münsteraner Kardinal von Galen, der gegen den Mord an Behinderten predigte. 
Johanes Prassek, Hermann Lange,  Eduard Müller und der evangelische Pastor Stellbrink werden 1943 zusammen mit 17 anderen Lübeckern in einem spektakulären Schauprozess verurteilt. Die Sympathisanten erhalten Haftstrafen. Die Geistlichen werden zum Tode verurteilt.  Joseph Goebels forderte:“ Die Pfaffen auf´s Schafott“ Eigentlich wollte er Kardinal Galen hängen sehen. Doch der war zu populär. So schlug die Nazi-Justiz in der Provinz zu.
Die katholischen Priester wurden durch willfährige Spitzel verraten. Der Protestant Stellbrink wurde sogar von seiner damals braunen Amtskirche an die Gestapo ausgeliefert.
Der Film über die vier Lübecker erzählt eine spannende Geschichte über Verrat und Verfolgung in der norddeutschen Bürgerstadt.    
Mitte November beginnen wir mit den Dreharbeiten in Lübeck.

Oktober 9, 2009 Posted by | Medien | 1 Kommentar

Leistung statt Leiden – Interview mit Marianne Buggenhagen

Mit Humor:viermal wöchtentlich Training

Mit Humor:viermal wöchentlich Training

 In einem Alter, in dem andere an den Vorruhestand denken, hat sich Deutschlands erfolgreichste behinderte Sportlerin für die  Leichtathletik WM der Behinderten im November in Indien qualifiziert.
Viermal die Woche trainiert sie  hart. „Damit habe ich meine Trainingseinheiten halbiert“, so Buggenhagen.

Wann kommt ein Leistungssportler in die Versuchung zu dopen?

Wenn er 2/10 Sekunden von seinem Bestwert entfernt ist und wenn er von Sponsoren abhängig ist, die diese Leistung honorieren.

Wie verbreitet ist Doping im Behindertensport?

Kaum. Wir bekommen fast keine Unterstützung, haben kaum Sponsoren. Wir sind fast alle berufstätig .Wir müssen arbeiten, um unseren Sport treiben zu können.

Nochmal: Wird im Behindertensport gedopt?

Ich sage: Nein, zumindest nicht in Deutschland! Es ist mir nur ein Fall bekannt. In Peking ist ein deutscher Basketballer positiv getestet worden, weil er Haarwuchsmittel genommen hatte und nicht wusste, dass das auf der Verbotsliste stand. Der wurde dann nach Hause geschickt. Dass ist der einzige Fall, der mir bekannt ist.

Sie sitzen seit 23 Jahren im Rollstuhl. Sie haben mit der Behinderung sofort weiter Leistungssport betrieben…

Ich war vor meiner Schädigung Leistungssportlerin. Ich habe Volleyball gespielt, denn ich habe eine lichte Höhe von 1,90 m. „Einmal Sportler, immer Sportler“, heißt es. Ich habe weiter gemacht, weil ich mich messen wollte mit anderen. Vor allem aber, ich wollte durch meinen Sport die Welt sehen und kennenlernen. Zu DDR- Zeiten ist mir das versagt geblieben, weil wir als behinderte Sportler an internationalen Wettkämpfen im Westen nicht teilnehmen durften. Ich war nur zweimal in Wien bei Wettkämpfen dabei.
1990 ging es dann richtig los mit den ersten Weltspielen der Behinderten in Assen. Ab da war ich süchtig, süchtig nach Erfolg und nach Leistung.

Wie unterschied sich Sportförderung in der DDR von der, die sie heute erleben?

Zu DDR-Zeiten hatten wir auch unsere Meisterschaften. Es waren 70-80 Rollstuhlfahrer, die an den Meisterschaften teilgenommen haben. Wenn ich heute an Deutschen Meisterschaften teilnehme, dann sind es 20 Teilnehmer. Wenn ich zu DDR-Zeiten zu einem Trainingslager gefahren bin, habe ich 15 Mark bezahlt, heute kostetet mich die gleiche Veranstaltung 500€. Das kann sich nicht jeder leisten. Ich finde, es ist schwieriger geworden, teilzunehmen, weil alles immer gleich Geld kostet. Wir haben natürlich viel gewonnen seit der Wende. Die Rollstühle sind besser geworden. Die Hilfsmittel, dass ist alles deutlich besser als damals.   

Wie hat sich die Wahrnehmung des behinderten Sportlers in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren verändert?

1992 habe ich an den ersten Paralympics in Barcelona teilgenommen. Das hat, glaube ich, niemand registriert, weil fast nicht berichtet wurde. In Sydney, 2000, war es das erste Mal, dass der Sport eine Rolle spielte und nicht die Behinderung. Früher hieß es, wenn überhaupt berichtet wurde,“ …und trotz eines Beinverlustes hat er diese Leistung erbracht.“ In Peking hingegen ging es um sportliche Ergebnisse. Das ist doch das, was wir wollen. Das wollen doch auch die Leute sehen. Es wird viel breiter berichtet heute. Das Interesse ist einfach stärker, weil es um Wettkämpfe geht und nicht um Behinderte. Ich sehe es doch auch an mir selber. Ich werde angesprochen von fremden Menschen, die mich aus den Medien kennen. Als Sportlerin habe ich inzwischen einen Namen durch die Medien bekommen und das hilft mir, Unterstützer zu finden.

Eine grundsätzliche Frage. Warum gibt es eigentlich diese strenge Trennung zwischen dem Sport von Nichtbehinderten und Behinderten-Sport?  Warum finden nicht  gemeinsame Veranstaltungen statt?

Das ist sience fiction, was Sie da ansprechen. Ich denke, wir wären schon einen großen Schritt weiter, wenn ich als Leichtathletin Mitglied im Deutschen Leichtathletik Verband sein könnte oder etwa die Schwimmer im Schwimmverband. Aber da sperren sich die Verbände

Was sind die Gründe?

Keine Ahnung. Sind es nichtbehinderte Funktionäre, die Angst vor Behinderten haben? Geht es ums Geld, weil der Etat dann auch für Einrichtungen des Sports Behinderter belastet würde? Ich weiß es nicht. Ich finde es nur schade, dass da kein gemeinsamer Weg gefunden wird.
„Olympische Spiele für Alle“- das werde ich sicher  nicht mehr erleben.

Oktober 1, 2009 Posted by | Interview | , , , | Hinterlasse einen Kommentar