Jürgen Hobrecht Logbuch

Nur Ausrutscher?-Übergriffe gegen „Marsch der 1000 Kreuze“

Meine Position zum Abbruch von Schwangerschaften ist eindeutig: Ich bin gegen einen Spätabbruch, wenn er dazu führt, behindertes Leben zu vernichten, ohne dass das Leben der Mutter zuvor in Gefahr gewesen wäre. Da es unredlich ist,  die  Tötung behinderter Babies  abzulehnen, gleichzeitig aber   die Abtreibung nichtbehinderter Embryos zu  tolerieren, bin ich wohl oder übel  ein Abtreibungsgegner. 
Aus Engagement für das Thema und aus Neugier ging ich gestern  Mittag zum Roten Rathaus und beobachtete den „Marsch für das Leben“, den Schweigemarsch von ca. 1.300 Menschen, der sich nach einer Kundgebung in  Richtung St. Hedwigskathedrale bewegte, wo ein Ökumenischer Gottesdienst gefeiert wurde.
Man mag über die Wirkung  der Symbolik von 1.000 Kreuzen streiten, die die Teilnehmer trugen, um an 1.000 Abtreibungen pro Tag zu erinnern.   Man mag darin eine unnötige Dramatisierung des Themas sehen.
Was  allerdings ein Bündnis von Gegendemonstranten, bestehend aus Linken, Feministen und sog. Antifaschisten   an „Argumenten“ aufzubieten hatte, war von so atemberaubender Geschmacklosigkeit und erschütternder Dummheit, dass mir jede Kritik an dem „Marsch der 1.000 Kreuze“ sofort  als kleinlich erschien. 
Da wurde von geschichtsvergessenen Abtreibungsbefürwortern ausgerechnet auf dem Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung von 1933, eine Bibel verbrannt. Es waren Plakate zu sehen, mit der Aufschrift  „Christen fisten“. Es flogen Eier aus den Reihen der Gegendemonstranten auf die als rechte Lebensschützer denunzierte Kundgebungs-teilnehmer. Insgesamt hat mich das geistige Niveau der Abtreibungsbefürworter an einen Artikel der Lübecker Politikerin der Linken, Asja Huberty erinnert, die   Föten mit Kaulquappen und Zellhafen verglich und sich vehement für fristenlose Abtreibung aussprach. Huberty hat ihre Wortwahl inzwischen bedauert.
Ihre Haltung zum Thema ändert sie  nicht. Die hinterher als verbalen Ausrutscher verharmlosten Äußerungen zeigen in ihrem Fall, wie in  Berlin, die wahre menschenverachtende Geisteshaltung.  

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September 27, 2009 Posted by | Alltag, Verhinderungen | , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Stich ins Herz II – Vox populi?

Wie nahe das Thema Abtreibung in meinen Alltag hinreicht, habe  ich vor einem halben Jahr noch erfahren. In den Monaten zuvor hatte ich mit dem Sardischen Zentrum in Berlin kollegial, freundschaftlich und konstruktiv in Sachen Entführungsfall Besuch zusammengearbeitet. Die Sarden hatten übersetzt, Bescheinigungen aus Italien besorgt und in jeder Weise geholfen. Eines Abends  sitze ich mit dem Chef des Zentrums, Dr. Alberto M. beim Italiener und drehe Nudeln. Zwei Jungs im fortgesetzten  Alter parlieren über das Leben und die Liebe, trinken Rotwein. Der eine  ist Sarde, promovierter Biologe, 47, und will Vater werden. Das reizt mich zur der  Frage, wann  für ihn als Biologen das Leben beginnen würde. Ohne zu zögern:  „Bei der Befruchtung der Eizelle“. Wenn er das so apodiktisch sage, dann sei Abtreibung schließlich doch nichts anderes als Mord, meine ich.
Das stimmt er zu, macht aber eine bewusste Ausnahme, die er sehr ziseliert vorträgt. „Im Fall von Missbildungen“- und dann fällt ausgerechnet der Begriff Contergan- würde er auf jeden Falle „eine Abtreibung machen lassen“. Ich habe  den Tisch verlassen und jeden Kontakt mit diesem sardischen Eugeniker eingestellt.
Nein, das  ist kein Einzelfall und nervt und schmerzt eben deswegen  umso mehr.
Ein gerühmter Professor der Erziehungswissenschaften, ein, seiner lebendigen Bildsprache wegen prämierter Kameramann, alles solide, gestandene Leute aus dem näheren Bekanntenkreis, die plötzlich in trauter Runde ihre Vorstellung von der Unerträglichkeit behinderten Lebens präsentieren und ihren Vernichtungsphantasien freien Lauf  lassen.
Ein jüdischer Freund hat mir neulich anvertraut, dass er sich manchmal  einsam fühle, weil er Kontakte mit Menschen abbrechen muss. Erst baue sich eine freundschaftliche  Nähe auf, erzählt er,  und dann packt jemand beiläufig beim Essen den verbalen Vorschlaghammer aus der Tasche und erklärt, mal eben,  dass die Juden aus Auschwitz nichts  gelernt hätten.
Für ihn sei dann sofort Schluss.
Ich habe diesen Freund gut verstanden.

September 1, 2009 Posted by | Verhinderungen | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Stich ins Herz- die Tötung der Unzumutbaren I

Meine Beschäftigung  mit der Abtreibung behinderter Kinder ist chronisch, schmerzhaft und wohl lebenslang.  In Berlin besuche ich den Chef einer Klinik, die auch Abtreibungen vornimmt und will wissen, wie er das  tut, was er darf. Weiterlesen

August 23, 2009 Posted by | Verhinderungen | , , , , , , , | 3 Kommentare