Jürgen Hobrecht Logbuch

Stich ins Herz II – Vox populi?

Wie nahe das Thema Abtreibung in meinen Alltag hinreicht, habe  ich vor einem halben Jahr noch erfahren. In den Monaten zuvor hatte ich mit dem Sardischen Zentrum in Berlin kollegial, freundschaftlich und konstruktiv in Sachen Entführungsfall Besuch zusammengearbeitet. Die Sarden hatten übersetzt, Bescheinigungen aus Italien besorgt und in jeder Weise geholfen. Eines Abends  sitze ich mit dem Chef des Zentrums, Dr. Alberto M. beim Italiener und drehe Nudeln. Zwei Jungs im fortgesetzten  Alter parlieren über das Leben und die Liebe, trinken Rotwein. Der eine  ist Sarde, promovierter Biologe, 47, und will Vater werden. Das reizt mich zur der  Frage, wann  für ihn als Biologen das Leben beginnen würde. Ohne zu zögern:  „Bei der Befruchtung der Eizelle“. Wenn er das so apodiktisch sage, dann sei Abtreibung schließlich doch nichts anderes als Mord, meine ich.
Das stimmt er zu, macht aber eine bewusste Ausnahme, die er sehr ziseliert vorträgt. „Im Fall von Missbildungen“- und dann fällt ausgerechnet der Begriff Contergan- würde er auf jeden Falle „eine Abtreibung machen lassen“. Ich habe  den Tisch verlassen und jeden Kontakt mit diesem sardischen Eugeniker eingestellt.
Nein, das  ist kein Einzelfall und nervt und schmerzt eben deswegen  umso mehr.
Ein gerühmter Professor der Erziehungswissenschaften, ein, seiner lebendigen Bildsprache wegen prämierter Kameramann, alles solide, gestandene Leute aus dem näheren Bekanntenkreis, die plötzlich in trauter Runde ihre Vorstellung von der Unerträglichkeit behinderten Lebens präsentieren und ihren Vernichtungsphantasien freien Lauf  lassen.
Ein jüdischer Freund hat mir neulich anvertraut, dass er sich manchmal  einsam fühle, weil er Kontakte mit Menschen abbrechen muss. Erst baue sich eine freundschaftliche  Nähe auf, erzählt er,  und dann packt jemand beiläufig beim Essen den verbalen Vorschlaghammer aus der Tasche und erklärt, mal eben,  dass die Juden aus Auschwitz nichts  gelernt hätten.
Für ihn sei dann sofort Schluss.
Ich habe diesen Freund gut verstanden.

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September 1, 2009 Posted by | Verhinderungen | , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Schädelfund -Zusammenhang mit Besuch unwahrscheinlich

Die sardischen Behörden gehen zur Zeit davon aus, dass der vor zwei Wochen in der Nähe von Urzulei gefundene menschliche Schädel zur Leiche des 1978 entführten Ferrari Ingenieurs Giancarlo Bussi gehört. Bussi wurde in der Nähe des heutigen Fundortes aus seiner Wohnung verschleppt und tauchte nie weider auf. Zur Zeit finden DNA-Untersuchungen statt. Mit einem Ergebnis ist jedoch nicht vor Anfang September zu rechnen.

August 15, 2009 Posted by | Rainer Besuch | , , | Hinterlasse einen Kommentar