Jürgen Hobrecht Logbuch

Crowdfunding nach 4 Wochen

Vier Wochen nach Start unserer crowdfunding Aktion sind 3.925€ auf dem Konto. Bitte unterstützt uns weitet www.startnext.de/wir-haben-es-doch-erlebt

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August 10, 2014 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

„I feel scared“…. „Ich habe Angst“- ein Brief aus Neve Shalom

Dear Friends,

The atmosphere in Israel today is extremely grave today and continues to change for the worse. I have lived through many wars and two Intifadas: I am not one who gets scared. Yet for the first time in my life, and my 34 years at Neve Shalom Wahat al Salam, I feel scared to leave the village.

I wasn’t aware of what was happening to me and found that my schedule had suddenly changed. I wasn’t going to the gym, and I couldn’t make it to the bank to deposit the checks I needed to and I realized that fear has been instilled in all of us and racism is being nurtured in our country.

It all began when the Prime Minister responded to the killing of three Jewish youth by saying, “we (the Jews) sanctify life and they (the Arabs) sanctify death”. This has continued with the Foreign Minister’s yesterday calling to boycott Arab stores which express solidarity with the residence of Gaza.

A few weeks ago hooligans in Jerusalem marched through the streets chanting, “death to the Arabs”, and beat up an Arab worker who was going home. Today an Arab truck driver who stopped at a traffic light was pulled from his vehicle and beaten up. Arabs who work in public places and government offices are afraid to ride on public transportation. Today’s internet news reported that Dr. Mordechi Kedar, a lecturer at Bar Illan University called for, “raping the wives of terrorists”. Where and when will the violence end?

When I call my daughters and they are on the bus, they won’t answer the phone because they are afraid to be heard speaking Arabic. One of my daughters was on the train, and I stopped myself from calling her; I was afraid she would answer me in Arabic and what would those around her do or say. Karin, my third daughter is in America counseling a group of Jews and Arabs in the Boston area. I’m happy for all the children of NSWAS who aren’t in the country this summer…

I refuse to continue to live this way. Unfortunately, I don’t see the hope that has always been there. The situation is pushing me to become more extreme and fearful. I find myself defending people I never agreed with; agreeing to things that I would never have agreed with before. Yet I live here, I am part of this place, a citizen of this country. It feels like the lights are being turned off.

I am searching for something positive to say. Last week we organized a solidarity rally of Jews and Arabs in the Arab city of Tira, but today, I lack the words and the hope for living together that this created. I am not optimistic….

There is still an Oasis… and we are still looking for peace. With over 600 dead in Gaza and the war continuing without an end in sight, it is equally frightening that Arab Citizens of Israel do not feel safe on the streets.

Perhaps the country’s leaders would like all Palestinians to leave Israel for the „22 surrounding Arab countries“ however I am here, and we will continue to remain here; we have no choice. We will continue – Arabs and Jews – to search for the strength to continue in our mission of living together as equals, sharing responsibility, land and our pain, while our educational institutions, which are needed now more than ever, work to change what is happening around us.

In sincere concern,


Eyas Shbeta
General Manager
Responsible for C&D
Wahat al-Salam – Neve Shalom
Tel: 972 (0)-2-9912222 ext. 108
Mobile: 972(0)50-8221383
Website: http://www.nswas.info

August 3, 2014 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Spendenaufruf

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde !

Ich habe im letzten Jahr den Dokumentarfilm „Wir haben es doch erlebt“-Das Ghetto von Riga produziert. Der Film erzählt die Geschichte des Rigaer Ghettos, von Oktober 1941 bis November 1943. Erstmals sprechen im Film Zeitzeugen von dem weitgehend unbekannten Massaker im Wald von Rumbula. Etwa 27.000 lettische Juden werden in zwei Tagen von 12 deutschen Schützen erschossen, um Platz zu schaffen, für die 25.000 Juden aus dem Deutschen Reich, die ab November 1941 nach Riga deportiert werden.

Der Film lief bisher in 45 deutschen Städten, mit ca. 4.500 Zuschauern.

Seit dem Erscheinen des Films bekomme ich Anfragen von Überlebenden und ihren Angehörigen aus den USA, Großbritannien und Israel, warum es den Film nicht in englischer Sprache gibt. Die wenigen Überlebenden des Riga Ghettos sind nach dem Holocaust emigriert. Ihre Kinder und Enkelkinder sprechen kein Deutsch. Es besteht aber gerade bei den Überlebenden der starke Wunsch, das Erlebte und Erlittene weiter zu geben.
Ich habe mich daher mit meinen Kollegen von der Phoenix Medienakademie e.V. entschlossen, die englische Fassung des Films herzustellen.

Es gibt bei den bisherigen Förderern des Films nur sehr geringe Möglichkeiten für die englische Fassung eine Unterstützung zu bekommen.
Ich habe daher im Internet eine Spendenkampagne gestartet. Auf der größten Plattform für sogenannte „crwodfunding Kampagnen“, bei Startnext, werbe ich um Unterstützung für die Herstellung der englischen Fassung. Die Adresse im Internet ist:

http://www.startnext.de/wir-haben-es-doch-erlebt

Für die englische Fassung werden 3.000€ gebraucht. Weitere 3.000€ werden benötigt, um den Anfang des Films zu aktualisieren. Wir haben am 16 März in Riga den jährlichen Aufmarsch von 1.500 SS-Veteranen gedreht. Ich möchte diese skandalösen Bilder gern an den Anfang des Films stellen, um zu zeigen, dass die Vergangenheit nicht vorbei ist. Auf youtube steht ein kurzer Zusammenschnitt der Demonstration, bitte anklicken:

Für beide Ziele, die englische Fassung und den aktualisierten Anfang, bitte ich um Unterstützung – sowohl ideell, als auch finanziell. Da die Zeitungen über die Spendenaktion nicht berichten, ist es für den Erfolg der Kampagne entscheidend, den link zu der Internetseite der Aktion möglich vielen Menschen zugänglich zu machen.
Wer das Projekt direkt unterstützen will, der kann „Fan“ auf der Startnext Seite werden. Je mehr Fans das Projekt hat, desto größer die Aufmerksamkeit. Der Status „Fan“ kostet nichts und ist völlig unverbindlich. Besonders freuen würde ich mich natürlich über Spenden. Hier ist jeder Betrag wichtig, von 5€ bis 500€. Jeder, der spendet, hilft mit, ein historisches Dokument zu überliefern. Als Dankeschön habe ich für die Spender interessante Geschenke ausgesucht: Weine aus Israel, Bücher des Dittrich Verlages, Eintrittskarten für jüdische Museen, Stadtführungen zu historischen Orten.
Die Kampagne hat am vergangenen Sontag angefangen und läuft bis zum 10. Oktober. Die einzelnen Spenden werden gemäß der Statuten von Startnext nur abgerufen, wenn die Gesamtsumme erreicht ist. Die Abwicklung bei Startnext ist seriös, sicher und einfach.- Zudem seit Jahren erfolgreich erprobt.
Wenn die Finanzierung steht, werden wir den Film am 30.11.2014 in London erstmals in englischer Sprache aufführen. An diesem Tag vor 73. Jahren begann das Rumbula Massaker. Eine Woche später, am 8.12.2014, dem Jahrestag der Fortsetzung des Massakers, werden wir den Film in New York zeigen, gemeinsam mit der Society of Survivors of the Riga Ghetto, die unser Projekt unterstützt. Danach steht der Film den Gedenkstätten in Israel und Nordamerika und weltweit zur Verfügung.
Ich bitte Sie, ich bitte Euch, ganz herzlich um Unterstützung der Spendenaktion und um die Verbreitung dieses Aufrufes und der Adresse im Internet:

Mit herzlichen Grüßen

Juli 18, 2014 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

10.10.13 Topographie des Terrors: Riga Film Tour gestartet

Gestern Abend: Topographie des Terrors, Berlin. Auftaktveranstaltung der Riga Film Tour. 150 Zuschauer sahen meinen Film „Wir haben es doch erlebt“-Das Ghetto von Riga. Am Dienstag geht es in Leipzig weiter. Unser Schirmherr Wolfgang Tiefensee, Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen für Demokratie wird anwesend sein. Alle Vorführungen unter http://www.Phoenix-Medienakadenie.com/Riga/Termine

Begrüßung durch Dr. Erika Bucholz

Begrüßung durch Dr. Erika Bucholz

<

Gottwald, Wilhelm, Nachtwei

Saal total

Oktober 11, 2013 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Trauer um Ernst Klee

Historiker Ernst Klee gestorben
geb. 15.3.1942 gest. 18.5.2013

Der Historiker, Sozialpädagoge und Theologe Ernst Klee ist tot. Wie der S. Fischer Verlag am Samstag mitteilte, starb Klee nach langer schwerer Krankheit mit 71 Jahren in seiner Frankfurter Wohnung.
Jahrzehntelang kämpfte Klee als Forscher für die Aufarbeitung der NS-Zeit. Nüchtern und akribisch setzte er sich vor allem mit den Gräueltaten an Behinderten und seelisch Kranken im Nationalsozialismus auseinander.
Internationales Renommee erwarb sich Klee bereits 1983 mit seinem Buch „Euthanasie im NS-Staat. Die Vernichtung lebensunwerten Lebens“, in dem er bis dahin weitgehend unbekanntes Archivmaterial zu diesem Themenkomplex erschloss. 1997 erschien sein Buch „Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer“, das die Rolle der Medizin in der Zeit beleuchtet. Es beschreibt unter anderem die Experimente, die Ärzte im Namen der medizinischen Forschung an wehrlosen Menschen vornahmen. (Quelle Spiegel-online 18.5.13)

Eine persönliche Erinnerung…

Frankfurt/ M. im Juni 1975. Die Messehalle des Evangelischen Kirchentages ist proppenvoll. Auf der Bühne steht ein hochgewachsener Mittdreißiger, Lockenkopf, offenes Hemd, ausgetretene Latschen an den nackten Füßen. Ohne Redemanuskript sagt der Mann Sätze, die ich, damals 18, noch nie gehört hatte. Er redet von entwürdigenden Zuständen in Behindertenheimen. Er beschreibt unseren Alltag klar nüchtern und ungeschminkt. Am Tag zuvor war ich im Gepäckwagen der Deutschen Bundesbahn angereist und noch zornig darüber. Seine Botschaft: Duckt euch nicht, lasst euch nicht demütigen, fordert Eure Rechte. Damals eine Offenbarung für mich. Ich sprach ihn nach der Veranstaltung an, zögernd erst, dann immer offener, weil er unkompliziert, freundlich und locker war. Es begann ein Kontakt, der mein Leben verändern sollte. Münster, 1977. Ernst Klee hält einen Vortrag an der FOS Sozialpädagogik, die ich damals besuchte. Ich fahre ihn anschließend zum Bahnhof und erzähle ihm eine Geschichte, von der ich hoffte, er könne sie für seinen Behindertenreport II gebrauchen. Das Buch sei fertig sagte er. „Aber mach doch eine Radiosendung daraus.“ Er gab mir die Telefonnummer des Redakteurs der „Radiothek“, der damals schon legendären Jugendsendung im WDR. Ich war völlig baff und habe die Sendung dann zögernd gemacht. Das war der Anfang meiner inzwischen 30-jährigen Arbeit als Autor.

Ernst Klee hat für viele Behinderte das Fenster zum Leben aufgemacht. Frische Luft kam rein in muffige Buden, die durch Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle verpestet waren.
Klee begann in einer Zeit als Buchtitel die Frage stellten „Können, dürfen, sollen Behinderte heiraten?“
Er hat in den 70er Jahren maßgeblich das Bewusstsein dafür geweckt, dass man gleichwertig ist und auch so behandelt werden will. Dass die Presse ihn dafür zum „Behindertenpabst“ ernannte, machte all die schmunzeln, die ihn erlebt haben. So ganz unpäbstlich, entsprach der nur in einem dem Mönch-Motto „bete und arbeite“: Er hat gearbeitet, bis zum Umfallen. Die Menge an Material, die er auf seinem Schreibtisch zu Texten und Büchern verarbeitete war unglaublich.

Vorbild für viele war der Volkshochschul-Kurs „Bewältigung der Umwelt“ in Frankfurt unter seiner Leitung. Ernst hatte es mit dem verstorbenen Gusti Steiner geschafft, Missstände in Aktionen und Bilder umzusetzen und sie dadurch zu ändern. Unvergessen die Fernsehbilder: Gusti Steiner angekettet an eine Straßenbahn in der Frankfurter City. Einer ruft: „Stellt doch ein MG auf, dann sind sie weg.“ Ich habe das Jahre später in Münster bei einer Blockade selbst gehört. Solche Sätze verändern einen Menschen.

Ernst Klee hat es vermocht Momente eines „Wir-Gefühls“ zu schaffen, unter Menschen, die die Umwelt als invalid ansieht und die sich, als Reflex darauf, gelegentlich selbst so wahrnehmen. 1980 hatte ein schrecklicher Jurist am Frankfurter Landgericht einer Frau Schadensersatz zugesprochen. Sie hatte erfolgreich gegen die Anwesenheit von Behinderten im Urlaubshotel geklagt. Das führte, mit 5.000 Teilnehmern, zur größten Demonstration von Behinderten in der Geschichte der Bundesrepublik.

1983 erschien sein Buch „Euthanasie im NS-Staat.“ Eine unglaubliche Fleißarbeit, mit der sich der gelernte Heizungsbauer, der Abitur auf dem 2. Bildungsweg machte und dann Sozialpädagogik studierte, sich als Historiker profilierte. „Euthanasie im NS-Staat“ ist und bleibt das Standardwerk zum Behinderten-und Krankenmord der Nazis. Das Buch hat mich schlagartig spüren lassen, was rational natürlich klar war: Die Nazi-Ärzte, die den Gashahn aufdrehten, meinten Menschen wie mich. Diese Einsicht bestimmt mein Verhältnis zu meiner nichtbehinderten Umwelt, besonders zur Medizin, bis heute.
Ich habe Ernst Klee vor vielen Jahren das letzte Mal gesehen. Wir saßen in einem Münchner Restaurant und scherzten viel. Auch das ging mit ihm. Zum Abschied sagte er: „Melde Dich“. Ich habe es nicht getan. Nun ist er tot.
Nur wenigen Menschen verdanke ich so viele Anstöße für ein unabhängiges Leben, wie ihm. Das gilt nicht nur für mich.

Mai 19, 2013 Posted by | Uncategorized | , , , , | 1 Kommentar

Premiere: „Wir haben es doch erlebt…“- Das Ghetto von Riga

Ich  lade herzlich  ein zur Premiere meines Dokumentarfilms

“Wir haben es doch erlebt…” Das Ghetto von Riga. (98 Min.)

am 14.5.2013  um 18.00 Uhr im Cinema,  Warendorferstr. 45, in Münster/Westf.

Zwischen November 1941 und Oktober 1942 werden rund 22.000 Juden aus dem Deutschen Reich nach Riga verschleppt. Unmittelbar vor der Ankunft der deutschen, tschechischen und österreichischen Juden in Riga werden an nur zwei Tagen 27.000 lettischen Juden und Jüdinnen ermordet, um Platz für die Neuankömmlinge aus dem Reich zu schaffen. Auch Tausende Deportierte aus dem Deutschen Reich werden direkt nach der Ankunft erschossen. Diejenigen, die das Ghetto lebend erreichten, erleiden jahrelange Qualen.Von 24.605 in den Jahren 1941 bis 1942 nach Riga deportierten Juden aus dem „Großdeutschen Reich“ überleben nur 1.073.

Zeitzeugen berichten in dem Film von dem Massaker an den lettischen Juden, dem Leben im Ghetto und dem Überleben mit dem Trauma.

Interessenten an Filmvorführungen in Schulen, Gedenkstätten, Museen etc. sind herzlich willkommen. Die DVD kann für 12,00 + 3,00 Versand bei info@phoenix-medienakademie.com bezogen werden.

Homepage mit Auschnitten aus dem Film http://www.phoenix-medienakademie.com/Riga/

Mai 12, 2013 Posted by | Medien, Uncategorized | , , , , , , | 1 Kommentar

Kaum zu glauben:Berlin umsonst und freundlich!

 Ich bin mental außerstande sieben Tage in der Woche den widerständigen Rollstuhlfahrer zu geben. Meine Wut über vieles ist grenzenlos. Sie reicht aber nicht, mir das Leben zu versauen. Nach dem schockierenden Besuch der Demo „Marsch für das Leben“ war mir dringend nach Entspannung und Ablenkung.
Das Wetter war prächtig.
Ich fuhr in den Botanischen Garten und schaute mir das neu eröffnete Tropenhaus an. Am Eingang ein freundlicher junger Mann, der nur bestätigt haben wollte, dass ich eine  Behindertenausweis habe und mir ansonsten viel Spaß wünschte.  Anderntags hätte ich mich sicher über positive Diskriminierung beschwert. Heute war mir nicht danach.
An der Automatiktür zum neuen Tropenhaus stolperte mir Reinhard Bütikofer, Ex-Bundesgeschäftsführer der Grünen,  fast auf den Schoß. Einen Tag vor der Bundestagswahl hieß sein Motto wohl: Besinnung und back to the roots.“  Es folgten zwei Stunden Ruhe im Tropenklima in einer unglaublichen Pflanzenpracht. Der Stress, des Alltags fiel ab. Erstmals seit drei Wochen wirkliche Entspannung. Fester Entschluss: Ich mach  das öfter!
Auf dem Weg zum Auto, erhielt ich eine SMS. Einladung ins Konzerthaus am gleichen Abend: Brahms, Schumann.
Am Konzerthaus empfing mich meine Begleitung am Künstlereingang und begleitete mich durch die Kellergewölbe zum Lift. Es folgte ein furioses Konzert des Konzerthausorchesters unter Leitung von Lothar  Zagrosek. Eine Karte wollte niemand sehen. Stattdessen wurden in der Pause Wein und Brezeln gereicht.  
Unnötig zu erwähnen, dass ein Mehrfaches der gesparten Eintrittsgelder anschließend bei Lutter&Wegner verprasst wurde.

September 27, 2009 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Auf dem Kollwitzplatz nachts um halb eins….

Gestern Nacht, Ecke Sretzkistraße/Kollwitzstraße. Ich fahre auf der Straße, weil die Bürgersteige in schlechtem Zustand sind und eine Unfallgefahr darstellen. Zugegeben, ohne Licht. Auf mich kommt ein S-Klassen Mercedes zu. Er weicht nicht aus, ich auch nicht. Der wird schon halten, denke ich. Das tut er dann auch. Ein Mann zeigt aus, ich erkenne kaum Kontraste: ein Schwarzer. Ein Hüne von Mann baut sich wütend vor mir auf und ruft aufgeregt in akzentfreiem Deutsch: “ Was glauben sie denn, man sieht sie nicht im Dunkeln.“ Ich bleibe ruhig und sage nur: „Was regen Sie sich so auf, das haben wir doch gemeinsam.“ Wütend kehrt er zu seinem Auto zurück, legt den Rückwärtsgang ein und braust davon.

September 6, 2009 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

Tram trouble

Gestern 22.15 Uhr am Alex. Ich will in die Linie  6  Richtung Steinberg steigen. Vor dem Eingang steht eine blonde Mitfünfzigerin in Uniform, offenbar die Fahrerin der Straßenbahn. Ich komme gerade von einem 30 Kilometer Marathon Training vom Mauerweg, bin einigermaßen erschöpft und verschwitzt.
Ich bitte die Frau  mich kurz  über Eingangsstufe   zu schieben. Barsch antwortet sie, das dürfe sie nicht. Die die Rampe sei auch defekt. Ich soll die nächste Bahn nehmen.  

Ich schaffe es, mich die an sich kleine Stufe hochzuziehen und postiere mich an der Tür gegenüber dem Eingang. Die Fahrerin steigt ein, baut sich vor mich auf und keift: „Der Rollstuhl gehört auf die andere Seite fahren Sie darüber, sonst fahre ich nicht los.“ Ich bin empört über den Ton und will wissen, warum ich mich in die Eingangstür stellen soll. Sie sagt nichts, dann nur knapp. „fahren Sie rüber.“ Passanten gucken verständnislos. Ich rolle wortlos hinüber. Die Bahn fährt los. Ich kann mich nicht festhalten, werde in den Kurven gefährlich hin und her geschleudert. Ich fahre schließlich auf die andere Seite zurück und stehe vor der Tür zum Fahrerstand. Die Frau hält die Bahn auf freier Strecke an, reißt die Tür ihres Fahrerstandes auf, die gegen meinen  Rollstuhl kracht und ruft, den Kopf aus der Tür steckend,
„Fahren sie auf ihren Platz, sonst fahre ich nicht weiter. Ich hole mir einen Zeugen, dass sie sich weigern, meinen Anweisungen folge zu leisten und lasse sie aus der Bahn entfernen.“
Lange Sekunden gucke ich die Frau entgeistert an. Sie blickt starr zurück. Die Umstehenden schweigen. Stillstand. Ich überlege, ob ich eine Eskalation will. Schließlich fahre ich schimpfend, wieder auf den angeblich für den Rollstuhl bestimmten Platz. Sie setzt die Fahrt fort.

August 21, 2009 Posted by | Uncategorized, Verhinderungen | , , , , | 1 Kommentar

Krüppel kochen- eine Polemik

Es ist doch klar: Behinderung ist nicht abendfüllend!
Entweder jemand ist witzig, spannend, unterhaltsam und klug,  oder es ist langweilig!
Ob der Mensch im Rollstuhl sitzt, oder der Arm ab ist, hat mich noch nie länger als zehn Minuten  interessiert.-

Zahllose Kochsendungen behelligen den Zuschauer des Deutschen Fernsehens tagaus tagein mit mehr oder weniger nachahmungsfähigen Rezepturen.
Nun wabert eine merkwürdige Melange   aus einer Münchner TV-Kantine. Ein Kochformat mit Behinderten.
„Dinner for everyone“  hat es sogar schon promotionfördernd in eine Hamburger Talkshow geschafft.
Volker Westermann, Redakteur und Moderator,  lädt einen behinderten und einen nichtbehinderten Gast zum gemeinsamen Kochen ein. Im Vordergrund steht allerdings nicht Kulinarisches, sondern das bemühte Gespräch rund um das Thema Behinderung.
Die Gästeliste: die Sozialpädagogen-Fraktion unter den B-Promis. Gildo Horn, Bettina Tietjen und zuletzt der Altmeister der medialen Altenpflege, Alfred Biolek.

Westermann manscht im Nußeckenteig. Horn, die Mutter bei der Lebenshilfe, betulich: „Darf ich mal was fragen.“  
Statt schrill und frech zu unterhalten, kopiert das Format die Unsitten des zum Glück untergegangenen Aufklärungsfernsehens und wirkt sehr daneben , wenn die contergangeschädigte Dressurreiterin Bianca Vogel erzählt, wie sie zu Hause so kocht. Nämlich kaum. Die „Mutter wohnt nebenan“.

Sie schneidet die Kartoffeln und nimmt, mangels Arm, den Kopf zur Hilfe, eine gewagte Großaufnahme. Immerhin!  
Doch wo ist die Spannung, wo  der Witz  von Bildern, die das besondere zeigen, aber im Dialog  dauernd behaupten, es sei selbstverständlich.

Man kann Behinderung nicht schön zeigen, sagt eine Moderatoren aus dem Ansager-Pool  der Münchner Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien e.V., die das Stück produziert. Sie führt das als Grund an, warum sowenig Behinderte auf dem Schirm zu sehen sind. Das mag sein. Aber was soll die arme Bettina Tietjen wohl auf  die Frage antworten, ob sie sich vorstellen könne, mit einem behinderten Moderator zu arbeiten? Etwa: Nein! ? 

So ersäuft die Sendung in einer sämigen Soße aus Gutmenschentum.

„Menschen mit Behinderung“ wie die Protagonisten Ihresgleichen weichspülend nennen, unter sich!  Die Kochplatte als Katalysator der Integration. Sie bleibt kalt.  

Wenn  ich eine Kochsendung einschalte, will ich  kreatives Kochen sehen und nicht Fingerfood von Armlosen

 Das Beste an dieser faden Veranstaltung  ist der Trailer.  Volker Westermann ist ein schelmischer, witziger Typ, der sein Potential überhaupt nicht ausspielt. Es ist ihm ein Autor zu wünschen, der ihm eine schwarze comedy auf  seinen  Leib schreibt.
„Gut gemeint ist das Gegenteil von gut“, sagt Westermann an einer Stelle. Recht hat er.  Mehr Pfeffer bitte, viel mehr!

Sendung: Deutsches Sportfernsehen (DSF) zweimonatlich oder  http://www.youtube.com/watch?v=a6r6qtTgw8w

August 14, 2009 Posted by | Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar